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Hantis Homemade Chopper

Etwas skuril, ziemlich abgefahren, aber voll fahrtauglich.


Wenn es eine Zeitmaschine geben würde, dann wäre man bei Hanti und seinem Chopper irgendwann in den 80ern wohl ganz gut aufgehoben. Sonnenbrille im Ray Ban Style, ein Helm, den man heute kaum noch als Schutzhelm bezeichnen kann und Bikerboots, die nie aus der Mode kommen: das ist Hanti.

Warum gerade 80er, na ganz klar, weil die 80er für einen echten Biker wie Hanti eine harte Zeit waren. Das lag sicherlich nicht daran, dass aus Raider Twix wurde, oder an der Erfindung des C 64 Computers, da gab es viel schlimmere Dinge, die einem Biker das Blut in den Adern erfrieren ließ. Ein gewisser Dieter Bohlen stürmte die Charts mit einem Sound, zu dem geleckte Popper ihren Seitenscheitel über die Tanzflächen führten. Die Föhnfrisuren waren überall präsent, das Fernsehgeschehen war von Dallas und vom Denver Clan bestimmt und jeder Ochse hatte einen Zauberwürfel zuhause. Nicht nur, dass dieses ganze Geschehen Hanti unbeeindruckt gelassen hat, er wie viele wenige Biker die an jedem Wochenende auf einem anderen Treffen zu finden waren, seine Kultur bis heute aufrecht erhalten. Schon damals war ihm ein Standart- Bike viel zu öde und er schraube wirklich alles so hin, bis es ihm endlich gefiel.

Machen wir mal einen Sprung ins Jahr 2009

E- Norm, Abgasvorschrift, Materialgutachten und all diese Ausdrücke kastrieren nahezu jegliche Individualität von Leuten wie Hanti, „aber nicht mit mir dachte er sich“ und begann sein eigenes Bike zu bauen.

Was jetzt kommt ist sagen wir es mal mit einem Wort, welches ebenfalls aus den 80er stammt, einfach nur Geil. Da stehe ich in der Werkstatt von Penz Custombikes in Österreich, bin umgeben von diversen hochwertigen Custombikes und ein Typ kommt extrem lässig in den Shop geschlendert. „Hey, Anita hat gesagt, dass du ein paar Fotos von meinem Ofen machen willst, steht vor der Tür das Teil“ waren die knappen Worte von Hanti. Also, Kippe in den Hals und raus auf den Hof. Verdammt, würde Twix doch bloß noch Raider heißen und hätte man dem Bohlen nie eine Gitarre gekauft, dann wäre mir das vielleicht erspart geblieben. Ein Chopper mit Sportstermotor, der mich zweifeln ließ, ob das Milchpulver im Kaffee wirklich Milchpulver war.

Eine ellenlange Gabel, Rahmenrohre die genau so Vertrauen-erweckend sind wie ein Börsenmakler der dir 60% Gewinn verspricht und Sportreifen, denen der Begriff Profil fremd zu sein scheint. „OK, drück die Kippe aus und wir fahren ein paar Fotos machen“, konnte ich nur noch kurz und knapp herausbekommen. Hanti schwang sich genau so lässig wie er in den Laden gekommen war auf sein Bike, startete den Sportymotor und verließ vor mir fahrend den Ort. Direkt am Ortsschild rastete er den zweiten Gang ein, klickte hoch bis in den fünften und fuhr auf die ersten langgezogenen Kurven zu. Gut dachte ich, Bremslicht kaputt aber nichts war, Hanti war weg. Mit Kampf und Vollgas bekam ich ihn wieder in Sichtweite und traute meinen Augen und meinem Tacho nicht. Der Typ knallte mit dem Ofen um die Kurve wie ein angestochener und nichts wackelte. Am Fotoplatz angekommen, grinste er mich an und bemerkte nur, dass er etwas vorsichtig gefahren sei, weil ich die Strecke nicht kenne.


Jetzt war er auch etwas gesprächiger und erklärte mir sein Bike. Pass mal auf, „ich hab mir das Bike so gebaut wie ich es haben will. Hab den Rahmen komplett selber gebaut und dann die Gabel dazu auch selber geschweißt. Der Rahmen müsste so gefühlte 48° Lenkkopfwinkel haben und die selbst angefertigte Gabel hat so ungefähr 14“ over. Fährt aber echt gut“. Der Name des Bikes ist ebenso verwirrend wie viele Details an dem Bike, doch man muss sich wirklich etwas näher damit beschäftigen. Der Name Triumph 110 stammt daher, dass er ursprünglich eine Triumph Motor in dem Bike montierte und es damit legal typisierte. Im Letzten Winter wurde dann ein Sportster Aggregat montiert, welches den Chopper nun völlig legal und zugelassen antreibt. Die Räder der Dimension 5,5 × 17 hinten und 3,5 × 17 vorn, stammen genau wie die Bremssättel von einer Suzuki GSX/R. Auch wenn ich die Pirelli Sportmax Reifen zuerst für etwas übertrieben hielt, aber der Kerl braucht wirklich Grip, wenn er mit seinem Eigenbau unterwegs ist. Zur Vergrößerung des Ölvolumens baute Hanti sich einen zusätzlichen Öltank aus Glas, fertigte sich einen Luftfilter selbst an und entfremdete Harley Fußrasten für sein Projekt. Ebenso wurde die komplette Elektrik in Heimarbeit angefertigt, der Heckfender in der Garage gedengelt und ein Tank, woher er auch immer stammt, an den Rahmen angepasst.

Das Bike ist genau das, was Hanti immer wollte, ein cooler Ofen, handgemacht und fern ab von jeder Norm, eben so ein bisschen wie er selbst ist. Auch wenn man auf vieles aus den achzigern verzichten kann, solange solche Typen ihre Kultur bis heute bewahren, hatten die achziger doch etwas gutes.

Text und Fotos

Thunder Media Service, Frank Sander

14. Mai 2010 in


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