Wenn man für seine Begleitung bezahlen soll, dann ist es entweder die Ehefrau, die wieder einmal beruhigt werden muss, oder die Ehefrau ist weit weg und man zahlt für die Dienste seiner Begleitung. In beiden Fällen ist die Freude ziemlich vergänglich und warum sollte man besser für etwas bezahlen, was weltoffen ist, was treu ist und bei gute Pflege auch noch im hohen Alter verdammt gut aussieht. Eben ein geiles Bike.
Die Courtesan von Chopper Kutcha ist so ein Bike, denn direkt nach der Fertigstellung trat sie schon seine erste Reise von Abu Dhabi nach Deutschland an, um an der CCE Bikeshow teil zu nehmen und nun ist sie bereits auf dem Weg in die USA, um dort bei der AMD Championchip um die Gunst der Jury zu glänzen. Wenn die Courtesan dann wieder in der Heimat angekommen ist, kann man davon ausgehen, dass sie niemals Rost ansetzen wird, denn Regen ist ein Fremdwort im arabischen Scheichtum Abu Dhabi. Ebenso wird der Benzinverbrauch keine Rolle spielen, denn bei unter 30 Cent pro Liter, kann man auch gern mal einen Umweg fahren, was in der Metropole sicherlich des öfteren notwendig sein wird. Als 1960 dort das Öl entdeckt wurde, gab es stellenweise nicht einmal Elektrizität oder fließend Wasser und da es sich um eine Halbinsel handelt, blieb nichts anderes übrig, als künstliche Inseln zu schaffen und Landgewinnung zu betreiben.
Inzwischen geht die Stadt auf die 1 Million Einwohner Grenze zu und da es immer noch kein Bahnnetz gibt, bleibt eben nur eine weiträumige Stauumfahrung, um zu Marios Shop zu kommen.
Der Erbauer des Bikes, Mario von Chopper Kultcha betreibt schon seit Jahren einen Customshop in Abu Dhabi und fand es an der Zeit, einmal ein Showobjekt auf die Räder zu stellen, das dann international präsentiert werden soll. Da Mario ein Biker mit Leib und Seele ist, war die Vorgabe klar, es sollte ein Bike werden, mit dem man ebenso durch die Wüstensonne fahren, wie auch auf einer Show glänzen kann. Viele eigene Teile und ein Starramen wegen der coolen Optik waren seine Überlegungen bei der Idee zu seinem Company Bike.
So orderte er einen Rahmen bei Maximum Metalworks in den USA, den er entsprechend modifizierte, um einen sauberen Old School Look zu schaffen. Zum Old School Look gehören natürlich auch eine Springergabel, ein altes Triebwerk und Speichenräder, wobei alles etwas anders als bei den Standartbikes werden sollte. So orderte er eine CCI Gabel, die um 2“ länger ist, als die Seriengabel und ließ den ungefederten Teil lackieren. Die Räder wählte er in einer moderaten Größe von 2.75×21 vorn und in 5,5×18 hinten. Anstatt der normalen Speichenräder sollten es RRW Big Spoke Räder werden die mit verkupferten Speichen speziell gefertigt wurden. Für ein vernünftiges Vorwärtskommen auf den Wüstenautobahnen sorgt ein 93“ S&S Triebwerk, das er gemeinsam mit B&B Racing aufbaute.
Andrews Nockenwelle, S&S Super E Vergaser, Rowe Ventile und ein Eigenbau Auspuff sorgen für satte 90 PS und lassen die Wüste erbeben, wenn das Triebwerk gestartet wird. Die Kraftübertragung vom Motor zum 6 Gang Getriebe im klassischen 4 Gang Gehäuse, erfolgt natürlich über einen offen Riemen, der mit 2“ Breite, gut mit der schlanken Optik des Bikes harmoniert. Bei der Bremsanlage geht es dann wiederum gar nicht klassisch zu, denn auch in der Wüste ist mit verstärktem Wildwechsel zu rechnen, nur was hier als Reh auf die Strasse rennt, wiegt dort das Doppelte und hört auf den Namen Kamel. So kommen vorn und hinten, moderne HHI Vierkolbensättel zu Einsatz, die das Bike früh genug zum stehen bringen werden, wenn wieder einmal ein wild gewordenes Höckertier die Fahrbahn wechselt. Das ein Custombike nicht nur aus dem Zusammensetzten von Teilen bestehen sollte, ist in Arabien nicht anders als hier und so machte Mario sich daran, aus diversen Blechplatten die Anbauteile zu fertigen. Egal ob Tank, Fender und Sitzschale, alles stammt aus eigener Werkstatt. Als besonderen Clou, wurden Tank und Fender mit einer Mittelverschraubung zusammengesetzt, die optisch ein echtes Highlight ausmachen. Alle Leitungen wurden in Handarbeit aus Kupfer gebogen und entsprechende Anschlussstücke gefertigt. Selbst bei den Tankdeckeln, dem Benzinhahn, den Fußrasten und der Handschaltung griff der Arabische Customizer tief in die Trickkiste und fertigte vieles selbst an. So entstand unter der heißen Sonne in 10 Monaten ein echtes Custombike Made in Abu Dhabi, welches den Vergleich zu keinem Europäischen Bike zu scheuen braucht. Da man nun sagt, das in den Staaten die viel Öl besitzen, alles Gold ist was glänzt, blieb natürlich für die Lackierung, für die Mario die Teile in die USA schickte, natürlich auch nichts anderes übrig, als eine gehörige Portion Blattgold zu verwenden. Und wie die Begleitung, die nicht immer ganz preisgünstig ist, wird auch diese Courtesan nicht zu den Preisgünstigsten Stücken auf der Strasse gehören.
Internet: www.chopperkultcha.com
E-Mail: info [a] chopperkultcha.com
6. Juli 2009 in Thundernews & Stories, Bikes